In Cambridge on
05/11/2016

Wunder- und sonderbare Cambridge Traditionen

Der Herbst ist eine besondere Jahreszeit, vor allem in Cambridge. Es ist die Zeit, in der die Studenten nach einem langen Sommer wieder zurück nach Cambridge kommen oder als Erstsemester ein ganz neues Leben hier anfangen, so wie Nis und ich das letztes Jahr getan haben. Unfassbar, dass wir nun schon ein Jahr in Cambridge sind. Die Zeit fliegt nur so vorüber!

Mit dem Beginn des neuen akademischen Jahres werden selbstverständlich wieder einige Cambridge Traditionen zum Leben erweckt. Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass zum Beispiel nur die „Fellows“ den Rasen im College betreten dürfen oder dass die Studenten zu bestimmten Anlässen wie der „Formal Hall“ einen „Gown“ tragen müssen. Falls ihr mit all den Begrifflichkeiten nichts anfangen könnt, habe ich hier vor längerer Zeit eine kleine Vokabelhilfe für Cambridge veröffentlicht.

formal hall Darwin

Formal Hall Darwin College

Drei dieser teils sonderbaren, teils sehr schönen Traditionen möchte ich euch hier vorstellen. Sie stehen stark im Zusammenhang mit dem College-System und der Gemeinschaft in den Colleges, die es Studenten leichter macht, sich in einer neuen Umgebung einzuleben. Die Colleges in Cambridge sind von der Universität unabhängige Institutionen mit eigenen Satzungen und Regelungen. Um an der Uni Cambridge studieren zu können, muss man jedoch Mitglied eines der insgesamt 31 Colleges sein. Hier findet dann zum Großteil das soziale Leben statt. Das College stellt Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung, die Studenten können hier zum Beispiel den verschiedenen Clubs für Sport, Musik oder anderen Freizeitbeschäftigungen beitreten und soziale Beziehungen aufbauen.

College-Familien

Um Neuankömmlingen den Start in Cambridge einfacher zu machen, bekommen sie College-Eltern zugewiesen. Das sind zwei erfahrene Studenten aus dem zweiten Jahr, die quasi „heiraten“ und einige College-Kinder unter ihre Fittiche nehmen. Als College-Kind kann man sich bei Fragen rund um das Studium an seine College-Eltern wenden, die dann Tipps und gute Ratschläge an ihre Kinder weitergeben. Das funktioniert im Prinzip wie ein Mentoring-Programm, nur ungezwungener. Nis ist dieses Jahr College-Vater und hat dafür seine Kommilitonin Schirin „geheiratet“. Gemeinsam haben sie zehn College-Kinder, denen sie nun mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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College-Eltern Schirin und Nis

Ich wünschte ich hätte damals beim Start meines Studiums so etwas wie College-Eltern gehabt. Es hätte die Eingewöhnungsphase um einiges erleichtert, da man einen direkten Ansprechpartner hat, über den man eventuell weitere Leute kennenlernt und sich damit schneller ein soziales Netz aufbauen kann.

Supervisions

Eine weitere einzigartige Tradition in Cambridge sind die Supervisions, die das College den „Undergraduates“ (Studenten vor dem ersten universitären Abschluss) zur Verfügung stellt. Das sind Übungsstunden in kleinen Gruppen von einer bis maximal drei Personen, bei denen Doktoranden und Professoren gemeinsam mit Studenten den Stoff aus Vorlesungen und Seminaren wiederholen und vertiefen. In diesen Gruppen werden gemeinsam Aufgaben bearbeitet, es gibt die Möglichkeit Fragen zu stellen und im Sommer werden die Studenten für die Abschlussprüfungen fit gemacht.

Bop

Ein Bop ist im Cambridge Jargon die Bezeichnung für eine College-Party, die von Studenten für Studenten organisiert wird. Normalerweise hat ein Bop ein bestimmtes Motto, sodass sich die Gäste entsprechend verkleiden. Das Motto des Gonville & Caius Bop war in diesem Term „Under the sea“. Manche Studenten geben sich richtig viel Mühe mit dem Kostüm und sehen dann so aus:

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Wenn man nicht mit der Cambridge Fachsprache vertraut ist, können viele Ausdrücke am Anfang verwirrend sein. Je länger man in Cambridge lebt, desto selbstverständlicher wird der Umgang mit diesen Begrifflichkeiten und Traditionen jedoch. Für all diejenigen, die noch mehr zum Cambridge Jargon wissen möchten, hat Peterhouse College hier ein hilfreiches Glossar veröffentlicht.

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